Daniel Fasser

Telefonseelsorge in Corona Zeiten

Bildschirmfoto 2020-05-30 um 08.30.47<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarreistaefa.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>213</div><div class='bid' style='display:none;'>2894</div><div class='usr' style='display:none;'>2</div>

Der Schüler geht wieder zur Schule, der Koch kocht wieder und auch der Fussballer spielt wieder Fussball.
Daniel Fasser,
Aber bis vor einigen Wochen war das noch ganz anders. Wie fühlt sich das an, wenn der gewohnte Alltag auf den Kopf gestellt wird? Wie bewältigt man die neue Lebenssituation? Wie geht man mit seinen Sorgen und Ängsten in einer unsicheren Zeit um? Da es uns im Pfarrei-Team wichtig war, zu wissen wie es unseren Untikindern, Ministranten und Jugendlichen in der Einschränkungszeit ohne Schulkameraden und Freunden erging, hatten wir die Idee, sie oder ihre Familien telefonisch zu kontaktieren und nachzufragen.

Ein Junge der 2. Klasse ging ans Telefon, seinen Namen konnte man jedoch erst nach zweimaligem Nachfragen verstehen. Entschuldigend raunte er in die Leitung, dass er leider nicht lauter sprechen könne, da beide Eltern zu Hause am Arbeiten seien. Das sei voll nervig für ihn, aber die Eltern seien sehr fleissig. Home-Schooling meets Home-Office!

Mit einer älteren Frau ergab sich ein sehr langes Gespräch, denn sie ist alleinstehend und ihre Kinder und Enkelkinder machten sich grosse Sorge um sie. Gerne wäre sie selber einkaufen gegangen, was sie aber aus Sorge vor Ansteckung nicht tat. Ihr fehlte jeglicher sozialer Kontakt und sie gestand, dass sie sehr darunter leide und eigentlich wisse sie gar nicht recht, was es mit der ganzen Corona-Krise auf sich habe. Am Schluss von so einem Gespräch kennt man eine komplette Familiengeschichte und spürt wie einsam und verzweifelt manche Menschen sind.

Die Familie eines Untischülers war mit dem COVID-19-Virus infiziert und lag im Bett, ausser der Untischüler selbst. Er, ein lebhafter und temperamentvoller Junge, wurde rätselhafterweise vom Virus verschont. Da drängte sich ein Schmunzeln auf und ein Gedanke schoss durch den Kopf, dass es auch Vorteile hat, ein Lausbub zu sein und so vielleicht selbst dem Virus zu entkommen.
Einem älteren Ehepaar ging es sehr schlecht, da sie krank waren und einsam wirkten. Immer wieder haben sich Gespräch ergeben, aber jeweils nur sehr kurze, was für diese sonst sehr gesprächige Frau unüblich war und somit ein wenig besorgniserregend. Einige Tage später auf dem Nachhauseweg mit einem frisch gepflückten Bärlauchbund, stand die Frau an ihrem Fenster. Eine gute Gelegenheit nach ihrem gesundheitlichen Befinden zu fragen. Nach einem längeren und aufgestellten Gespräch hat sie mir zum Abschluss aus lauter Dankbarkeit eine Flasche Rotwein geschenkt. So stand ich da, zwar nass vom Regen, jedoch gut gelaunt und zufriedenen Herzens. Ich ging nach Hause mit beiden Händen voller Geschenke – in der einen Hand den Bärlauchstrauss und in der anderen einen feinen Blauburgunder aus Ürikon.

Unser Fazit: Auch in schwierigen Zeiten wird man grosszügig beschenkt – sei es mit einem guten Gespräch, einem netten Lächeln oder einer schönen Geste. Man kann sogar in Zeiten von Social Distancing neue Kontakte knüpfen, sich mit Menschen austauschen, die man vielleicht ohne Corona nie kennengelernt hätte - trotz aller sozialer Distanz bringt uns das jetzt irgendwie auch näher. Wir sollten uns öfters Zeit zum genauen Hinhören nehmen und diese positiven Erfahrungen in die Zeit nach Corana versuchen hinüber zu retten.

Katechetinnen-Team und Jugendarbeit
Bereitgestellt: 30.05.2020     Besuche: 3 heute, 59 Monat 
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