Daniel Fasser

Gemeinschaft mit dem Papst

Wir wollten wissen, wie es unserem pensionierten Pfarrer Pepe Kohler in dieser aussergewöhnlichen Corona-Zeit ergeht. Lebt er zurückgezogen und einsam voller Sorge, denn auch er gehört zur sogenannten «Risikogruppe». Oder ist er eher sorglos voller Zuversicht und Gottvertrauen? Hier seine Antwort:
Pepe Kohler
Ich bin so dankbar für meine schöne Wohnung gleich neben der Kirche St. Verena. Das lässt mich schon rein äusserlich mit der Pfarrei verbunden sein. Während der Covid-19-Situation der vergangenen Wochen bekam auch ich auf verschiedenste Weise Familiarität zu spüren: Man bot mir an, für mich einkaufen zu gehen und so mancher Gruss im Vorbeigehen von lieben Menschen verlieh ein schönes Gefühl von Vertrautheit. Mir wurde in dieser Zeit viel Familiarität mit dem Papst geschenkt. Sein abendliches Gebet auf dem leeren Petersplatz hat mich tief berührt. Seine Worte haben sich mir nachhaltig eingeprägt: "Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden".
Als ein Gebet für die Geschichtsbücher wurden seine Worte bezeichnet. Für mich aber hier und heute bedeuten sie Hoffnung auf eine neue, gesunde Welt.

Wie viele andere auch fühlte ich mich zu einer ganz besonderen Solidarität in dieser schwierigen Zeit berufen. So habe ich mit Papst Franziskus, der sich beispielhaft in Isolation begeben hat, morgens die heilige Messe gefeiert. Er in der Fernsehübertragung, ich „in Konzelebration“ mit ihm in meiner Stube. Das hat mir erneut ins Bewusstsein gebracht, dass ich als Priester nie eine heilige Messe für mich selber feiere. Ich feiere sie in den weltweiten Anliegen des Papstes, aber auch immer für euch, für alle, die mit mir verbunden und mir anvertraut sind. Das war für mich eine wertvolle und deutliche Form, Kirche als Familie zu erleben.

Mein persönliches Fazit: Diese Corona-Zeit bedeutet alles andere als Langweile, alles andere als mich eingeschlossen zu fühlen. Denn mein noch nicht vollständig genesenes Knie braucht Therapie und das heisst für mich Velo fahren. Und ansonsten? Die Wohnung auf Vordermann bringen, „Chöchele“, Lesen, einen guten Film ansehen und - was ich wieder neu entdeckt habe - das Studium über die Dreifaltigkeit und der Entfaltung des kirchlichen Lebens in Asien.

Jemand hat mir einmal gesagt: „Jetzt, da ich pensioniert bin, frage ich mich, wann ich früher Zeit zum Arbeiten gefunden habe“. Wie wahr!

Josef Kohler, mitarbeitender Priester
Bereitgestellt: 29.05.2020     Besuche: 4 heute, 88 Monat 
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