Daniel Fasser

Heute, Karsamstag, 11. April 2020

Ostermorgen <div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarreistaefa.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>220</div><div class='bid' style='display:none;'>2862</div><div class='usr' style='display:none;'>2</div>

Liebe Pfarreiangehörige, liebe Besucherinnen und Besucher unserer Website

Heute ist Karsamstag - Ja, heute um 21 Uhr hätten wir in der Pfarrkirche die inhaltsreichste und feierliche Liturgie zur Osternacht begangen, um am Ende des Gottesdienstes in das Lied

«Freu dich, erlöste Christenheit…» einzustimmen. «Freu dich, erlöste Christenheit, freue dich und singe, der Herr erstand voll Herrlichkeit. Halleluja! Singt fröhlich Halleluja!» (Kirchengesangbuch Nr. 452).

Musik zum Karsamstag

Daniel Fasser,
Bevor ich aber zum Inhalt dieses Aufrufes zur Freude komme, muss ich etwas früher anfangen. Gestern war Karfreitag, Gedächtnis des Leidens und Todes Jesu, und im Evangelium der Osternacht nach dem Bericht des Evangelisten Matthäus heisst es dieses Jahr: «Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Mágdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen» (Mt 28, 1.) Wissen Sie, ich versuche mich in diese Frauen hineinzufühlen und sehe sie zum Grab gehen. Sie gehen wahrscheinlich, ohne viel miteinander zu reden, allein mit ihrer Liebe und ihrem Schmerz. Der dritte Tag bricht an. Mit Jesus hatten sie grosse Hoffnungen verbunden - eine andere Welt, andere Menschen, «ein anderer Gott». Wenn sie Jesus hörten, seine Zeichen sahen, ihm begegneten - dann war ihnen das Reich Gottes fassbar nahe.

Aber jetzt ist er tot, qualvoll gekreuzigt, in ein Grab gelegt. Zugedeckt mit einem schweren Stein. Unter dem Stein begraben sind auch die Hoffnungen - keine andere Welt, keine anderen Menschen, «kein anderer Gott». Es ist die Erfahrung einer nicht-enden-wollenden Nachtstunde, die diese Frauen machten. Eine Erfahrung, an der wohl kein Mensch in seinem Leben vorbeikommt. Wer in seinem Leben einmal Liebe verspürt - und das sind wir ja alle - wer menschliche Gefühle in sich trägt, wer Hoffnungen hat und Sehnsüchte nach „einer besseren Welt“, kennt diese Nachtstunden ganz genau. Der weiss, was Enttäuschung heisst und Ohnmacht. So ist das Leben, so ist halt die Welt - die Zeit vergeht, wir sind jung, wir werden alt, wir sterben, wir hätten gerne die Dinge unter Kontrolle, aber die Dinge passieren einfach. Wir haben keine Macht über gewisse Gegebenheiten wie beispielsweise Natur-Katastrophen oder die derzeitige Pandemie, und gleichzeitig könnte die Menschheit viele andere, selbst verschuldete Desaster wie Kriege, soziale Ungerechtigkeiten, Armut, und vieles mehr bekämpfen. Es heisst, über eine Milliarde Menschen auf dieser Welt leben in Hungersnot. Hier wüssten wir, wie wir die Not besiegen könnten und hätten einen Einfluss, aber wir tun offenbar nicht genug. Ich führe dieses Thema hier nicht weiter aus.

Man muss den Tatsachen ins Auge sehen, realistisch bleiben. Eine Christin, ein Christ, das sage ich immer wieder, ist ein glaubender und hoffnungsvoller Mensch, aber auch ein Realist. Ich muss mich als ein Teil des Gottesplanes sehen, der schon seit Gottes Ewigkeit liebevoll erstellt wurde: es wird nicht alles sofort und gleich besser in dieser Welt, auch wenn ich mein Leben dafür hingebe. „Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Also: ich möchte hier möglichst lange und gut leben, aus diesem Leben herausholen, was herauszuholen ist“, höre ich ab und zu und das sogar von Menschen, die aufrichtig im christlichen Glauben leben. Ich spüre aber auch in solchen Gesprächen: in diesen Menschen zeigt sich eine ganz tiefe Sehnsucht nach Leben. Es zeigt sich auch bei diesen meinen Mitmenschen der Wunsch, etwas Bleibendes zu schaffen, etwas, was den eigenen Tod überdauert – ein Leben, das den Tod überdauert, ein Leben, welches stärker ist als Krankheit, ein Leben, das sich jeder Zerstörung standhält, das Krisen im persönlichen Leben und grosse Krisen dieser Welt, wie wir sie momentan erleben, ganz überwindet. Mit diesem Wunsch sind wir als Christinnen und Christen mit vielen Menschen verbunden. Der tschechische Theologe Tomas Halik meint: „Selten weist etwas so stark auf Gott hin und ruft so dringend nach Gott, wie gerade das Erleben seiner Abwesenheit!“. und weiter sagte er: „Der wesentliche Unterschied zwischen Glauben und Atheismus ist die Geduld! Der Ungläubige sieht die Leere und schliesst voreilig daraus, dass Gott nicht da ist – der Glaubende wartet und harrt aus und hat Geduld mit Gott!“. Ostern ist für uns Christinnen und Christen das Fest des Lebens. Um wieder auf den Anfang zu sprechen zu kommen: als Christen wollen auch wir Krankheit und Tod überwinden. Es ist nur verständlich, dass jeder kranke Mensch von seiner Krankheit geheilt werden möchte. Alles andere wäre eine Todessehnsucht, die mit dem Glauben an Gott nicht zu vereinbaren wäre. Gott zeigt uns gerade in der Auferstehung seines Sohnes, dass er ein Gott ist, der die Welt und die Menschen zum Leben geschaffen und berufen hat. In der Osterbotschaft des leeren Grabes wurde den Frauen und uns das Unfassbare verkündet, nämlich: „Er ist nicht hier, er lebt". Noch voll Furcht, aber auch voll Freude laufen sie nach Jerusalem, um den anderen Jüngern vom Auferstandenen zu berichten. Der Tod und das Leid haben nicht das letzte Wort. Darum ist der Glaube nicht ein billiger Trost auf das Jenseits, das ja irgendwann einmal in ferner Zukunft kommt. Nein, das wäre, liebe Mitchristen, ein klarer Missbrauch des Glaubens. Es gilt, die Sehnsucht nach Leben in uns und in den Mitmenschen ernst zu nehmen. Wir Christen und Christinnen des 21. Jahrhunderts haben unseren Glauben durch Menschen geschenkt bekommen, denen Jesus als der Auferstandene immer wieder begegnet ist.

Ich persönlich kann nur sagen, ich glaube fest daran, ich falle nach diesem Leben nicht ins Nichts zurück. Ich habe ein Ziel, für das es sich zu leben lohnt. Dieses Ziel lässt mich die Welt nicht verneinen, nicht geringachten. Es motiviert mich, mich einzusetzen und diese Welt mitzugestalten. Als Christ bin ich davon überzeugt, dass der Glaube an Gott meinem Leben echten Sinn gibt. Schon in diesem Leben, in dieser Zeit wirkt sich der Glaube an das ewige Leben aus. Ich kann diesen Sinn nicht selbst machen. Diese Welt an sich trägt den Sinn nicht in sich selbst. Dass das Leben von Gott ausgegangen ist und in Gott vollendet wird, schenkt mir der Glaube an Ihn. «Freu dich, erlöste Christenheit, freue dich und singe, der Herr erstand voll Herrlichkeit. Halleluja! Singt fröhlich Halleluja!».

Ich wünsche uns allen ein frohes Osterfest mit vielen österlichen Freuden, auch wenn einige von uns noch jetzt einige kleinere und grössere „Karfreitage“ im persönlichen, familiären und beruflichen Leben erleben müssen und erleben werden. Das gehört halt zum Leben, aber immer wieder wartet doch auf uns aufs Neue in all unseren Lebensabschnitten und sogar am Ende unseres Lebens der Ostertag!

Ihr Jaroslaw Jan Jakus
Bereitgestellt: 11.04.2020     Besuche: 39 Monat 
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