Daniel Fasser

Gedanke zum Hohen Donnerstag

Gründonnerstag<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>pfarreistaefa.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>220</div><div class='bid' style='display:none;'>2854</div><div class='usr' style='display:none;'>2</div>

Liebe Pfarreiangehörige, liebe Besucher und Besucherinnen unserer Webseite,

hier nun wie angekündigt, ein paar Gedanken zum Hohen Donnerstag und zum Lied, das Sie sich anhören können

Musik zum Gründonnerstag

Jaroslaw Jan Jakus,
«Beim Letzten Abendmahle, die Nacht vor seinem Tod, nahm Jesus in dem Saale Gott dankend Wein und Brot», so heisst es in der ersten Strophe dieses Liedes, das von Christoph von Schmid im Jahre 1807 gedichtet wurde. Es stammt aus unserem Kirchengesangbuch und oft singen wir es, wenn wir gemeinsam Eucharistie feiern. Was kommt mir in den Sinn, wenn ich das Lied höre und den Hohen Donnerstag begehe?

Abschiedsstunden sind immer ganz besondere Stunden im menschlichen Leben. Wenn es sich um einen letzten Abschied handelt, dann sind die letzten Gesten, die letzten Worte dessen, der geht, ganz besonders wichtig. Sie sind gleichsam ein Vermächtnis für diejenigen, die zurückbleiben. All das spürt man beim letzten Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feiert. Die Elemente, die bei diesem Mahl vorkommen, sind voller Bedeutungsinhalt. In allem spüre ich, Jesus möchte mir das Innerste und Grösste geben, das er hat: die Möglichkeit, an seinem Leben, an seiner Gemeinschaft mit Gott, seinem Vater teilzunehmen, teilzuhaben, und er will mich fähig machen, solche Gemeinschaft untereinander zu leben.

Das festliche jüdische Mahl hatte einen festgelegten Ablauf. Zunächst bricht der Hausvater das Brot, verteilt es unter den Anwesenden und spricht dazu das Tischgebet. Der rituelle Ablauf der Hausliturgie wird durch dreimaliges Trinken von Wein gegliedert; beim vierten Trunk spricht der Hausvater das Dankgebet und darauf macht der Becher mit Wein die Runde und alle trinken daraus.

Nun ereignet sich bei Jesu Abschiedsmahl etwas Besonderes und Ungewöhnliches. Beim Tischgebet bricht er das Brot und sagt: Das ist mein Leib für euch. Das bedeutet: Das bin ich. Ich für Euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis.
Beim letzten Becher nach dem Mahle mit Wein geschieht das Gleiche.
Am anderen Tag, dem Rüsttag vor dem Sabbat, also unserem Karfreitag, hat sich dies im Brechen des Leibes und Vergiessen des Blutes durch den Leidensweg und die Kreuzigung Jesu erfüllt: „Das ist mein Leib.“, „Das ist mein Blut.“ Jede Eucharistiefeier hängt daran, dass wir diese Worte nicht nur symbolisch oder als blosse Erinnerung verstehen, sondern ganz ernst nehmen, im Glauben ganz wörtlich annehmen. Die Gemeinschaft mit Christus entfaltet ihre Kraft in uns, so wie Brot seine Kraft entfaltet, wenn unser Körper es als Nahrung aufnimmt. Diese Gemeinschaft mit Christus entfaltet ihre Kraft, sie verändert uns und macht uns fähig, zu leben wie er. In manchen Religionen glaubten die Menschen, auf einem Berg Gott in rechter Weise zu ehren, weil er in der Höhe sei. Bei der Fusswaschung, die vor dem Abendmahl stattgefunden hat, handelt Jesus jedoch entgegen den Erwartungen: Er geht den Weg nach unten. Er kommt uns vor die Füsse – das ist der Gipfel. Das zeigt sich auch im Sakrament der Eucharistie, das Jesus am Abend vor seinem Tod beim Mahl stiftet. Indem er seinen Leib und sein Blut schenkt, "ehrt er zunächst uns".

Nicht als Zuschauender, sondern als ein im Glauben Mitfeiernder, so fühle ich mich. Die Feier der Eucharistie ist nicht nur ein Gedenken an das letzte Abendmahl, sondern diese Zuwendung Gottes in Christus wird darin für uns real gegenwärtig. Ein Mensch, an den Gott herantreten und den er mit seiner Liebe berühren darf, der wird anders, er verändert sich grundlegend - er wird selber zum Verstehenden und Liebenden. Und diese Liebe dürfen wir in die Welt hinaustragen. Und wir bitten dabei um Kraft, Kraft für "die tägliche Mühsal der christlichen Liebe im Alltag" und besonders in Krisenzeiten, und gerade in solchen, wie wir sie momentan erleben. Jesus hat am Abend vor seinem Leiden im Gebet mit Gott gerungen, aber schliesslich gesagt: "Dein Wille geschehe." Solche Anbeter sucht Gott. "Er sucht uns." "Wir können darum bitten, diese Sehnsucht Gottes zu erfüllen. Sie erfüllt sich, wenn wir die Antwort geben wie sein Sohn. Er zwingt uns nicht von oben, er lädt uns ein von unten. So handelt Gott an uns. In diesem Sinn ist auch die Inschrift auf dem Grabstein des hl. Ignatius von Loyola zu verstehen, die ich las, als ich einmal seine Grabstätte besucht habe:

„Vom Grössten nicht bezwungen, aber vom Kleinsten umfasst werden, das ist göttlich“.
Soweit der Gedanke zum Lied und zum Gründonnerstag.

Ihr Jaroslaw Jan Jakus
Bereitgestellt: 09.04.2020     Besuche: 39 Monat 
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